Was dafür spricht, dass Profis sprechen…

Sprache in Digital

 

Ich huste das eben ein, schmeißt Du Mikrofon und ProTools an?

Wir Sprech-Arbeiter befleißigen uns oft eines saloppen Tons; so als wäre unser Tun ein Federleichtes, nebenbei zu Erledigendes. Was ja auch so ist. Wenn der Text kurz ist und man das Sprechen gelernt hat. Womit in meinem Fall nicht die erfolgreichen Bemühungen meiner Eltern gemeint sind, mir grundlegende Kommunikationsfähigkeiten beizubringen. Nein, ich meine das jahrelange Arbeiten mit dem Instrument, das ich am besten beherrsche: meiner Stimme.

Atemübungen, Sprechübungen („BibibiBababaBobobo…“), Zunge rrrrollen, die Wangen schrrblblschütteln – professionelles Sprechen für Film/Funk/Fernsehen ist ein Beruf, ein Handwerk, das wie jedes andere erst nach Jahren der Übung meisterlich und „leicht“ wird. Davor kämpft man mit falscher Betonung, verschluckten Wortendungen, Dialektresten oder Spucke-Rissen (das ist, wenn es „klackt“ z.B. beim A). Man gurgelt mit schwarzem Kaffee, lutscht widerliche Salzpastillen und räuspert sich… was alles noch schlimmer macht oder im besten Fall absolut nichts bringt.

Seit einiger Zeit aber gibt es einen Gegner, der mit Übung und Handwerk allein schwer zu knacken ist: die „Entwertung des Professionellen“ trifft wie viele Kreativ-Handwerker auch professionelle Sprecherinnen und Sprecher. Die Mondpreise der vordigitalen Ära muss keiner mehr zahlen, das ist okay; aber dass sich auf „Sprecherportalen“, dem myhammer.de der Stimmband-Handwerker SprecherInnen gegenseitig unter die Armutsgrenze dumpen, bis jeder Auftraggeber eigentlich vor Scham im Boden versinken müsste – das ist nicht okay. Dass es in Marketing-/Werbe- oder Personalabteilungen Entscheider mit der Auffassung gibt: „Sprechen? Das kann doch jeder!“, das ist genauso wenig okay. Wenn so entstandene Videos oder Podcasts mit stammelnden Geschäftsführern, langweilig leiernden Azubis oder wichtigtuerischen Startup-Schnöseln als SMS (Social Media Sau) durchs digitale Dorf getrieben werden – dann ist das ein „Shitstorm“, der sprichwörtlich hausgemacht ist.

Ich habe auch Hände und Finger, ich kann sogar leidlich Noten lesen. Deswegen kann ich aber noch lange nicht Klavier spielen. Warum also sollte jeder, der Lippen und Stimmbänder hat, automatisch Texte professionell sprechen können? Warum lassen Firmen, die die QUALITÄT ihrer Produkte betonen, das Produktvideo vom Praktikanten vertonen?

Dazu kommt ein wichtiger, gerne vernachlässigter Aspekt: Texte, die gesprochen – und verstanden – werden sollen, müssen auch ENT-SPRECHEND geschrieben werden. Und auch das ist ein Handwerk mit vielen goldenen Regeln. Denn wer zuhört, kann nicht noch mal nachlesen, er ist darauf angewiesen, dass er dem Text folgen kann, Satz für Satz, Information für Information. Deswegen gilt: keine Schachtelsätze, Aktiva statt Passiva, Partizipkonstruktionen meiden, Zahlen/Daten nur in Maßen, Verb nach vorne, wichtige Begriffe wiederholen, Nominalstil meiden, Fremdwörter meiden… usw. usw.

Warum das alles? Das müssen Sie als Kunde nicht wissen. Sie müssen nur wissen, wer sowas weiß. Und dass es wichtig ist. Und dass ein Profi im Zweifelsfall besser „hustet“ als ein Laie „spricht“. Versprochen.

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Eule mit Weile und Wischtuch…

„Wir haben doch irgendwo so’n Fensterwischtuch, oder?“ fragte Frank. 
Das gibt ein super Flügelflattern!“

Sekunden später stand er im Studio – und flatterte mit dem Fensterleder.
Ich hatte vorher in unseren SFX-/Geräusche-Archiven nichts Passendes gefunden. Es ging schließlich um eine Eule. Und die flattert nicht so hektisch wie eine Taube oder ein Kolibri. Das Taubenflattern verlangsamen ging auch nicht, das klang wie diese monströsen Luft-Turbinen, in denen Filmbösewichte ihrem gerechten Schicksal entgegen flattern.

Das war eine der Situationen, in denen mir mal wieder klar wurde, dass wir unsere vielen Talente und Fähigkeiten nur schwer erklären können; selbst wenn man unser „biblisches“ Alter zugrunde legt. Kennen Sie diese Werbe-Aufkleber in der S- oder U-Bahn, von Akademien für Aus-/Weiterbildung in kreativen Berufen – SAE, Deutsche Pop, Macromedia etc.? Wir machen uns immer einen Spaß daraus, die einzelnen Berufsbilder abzuhaken und häufchenweise auf uns beide zu verteilen. Dass Frank z.B. bei einer Synchron-Firma in Potsdam-Babelsberg das Geräuschemachen lernen durfte, das ist eines von vielen Extras, das unsere Kunden dazu bekommen. Sozusagen als „Top-on-Top“. Denn es kommt ja „nur“ dann zum Tragen, wenn unser beider langjährige Erfahrung im Audio-Design mit Archiv-Geräuschen nicht ausreicht. Bei Eulen, Körperbewegungen – oder Schritten! Schritte sind knifflig, die Geschwindigkeit stimmt nie. Also selber machen. Dann sitzt Frank mit Schuhen über den Händen auf dem Boden, den Hals Richtung Monitor verrenkt – und „geht“…

In unserem „Schaufenster“ übrigens ist das Endergebnis zu sehen und zu hören, inklusive Eulenflügel mit Fensterwischtuch… (ganz oben, Video „Willkommen bei den Stars“)

Kleiner Ausflug noch in die Vergangenheit: in den ehemaligen DDR-Rundfunkstudios in der Berliner Nalepastraße durften wir mal die „Geräusche“-Halle besichtigen. Da gibt es eine Treppe mit x unterschiedlichen Materialien für die passenden Schritte – Teppich, Marmor, Beton usw; einen Raum mit x verschiedenen Türen für die richtigen Schließgeräusche – Wohnungstür, Kellertür, Gefängnistür etc.; und: die Geräusche-Spirale! Eine (zunächst) abgedeckte Spirale im Boden, ähnlich unterteilt wie heute die Kräuterspiralen im Garten, in jedem Abteil ein anderer Boden, von Sand über Waldboden bis Kies. Hammer! Aber das verfällt da alles. Ganz lautlos.

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Bittersüße Bienen-Symphonie

Aus aktuellem Anlass (ich habe mir den Film in der Pressevorführung angesehen) meine Rezension des Films „More Than Honey“ von Dokumentarfilmer Markus Imhoof:

Fred Jaggi ist sauer auf seine Königin. Der Schweizer Bergimker hat sie beim Fremdgehen erwischt, die helleren Ringe ihrer Nachzucht beweisen es. Was folgt, ist die kühle Rache eines Traditionsimkers, der sein Heil im reinrassigen Erhalt der dunklen Biene sucht. Wenn Jaggi den Daumen hebt, heißt das für die Königin nichts Gutes…

Die Bienen sterben. Die einen durch den beherzten Daumen des Imkers, die anderen durch einen Mix aus Ursachen, der noch immer nicht ausreichend erforscht ist. Leben und Sterben der Bienen ist das Thema auch dieses Dokumentarfilms des Schweizers Markus Imhoof. Er hat Imker und Forscher in verschiedenen Teilen der Welt besucht und so ein eindrucksvolles Gesamtbild geschaffen:

Der Mega-Imker John Miller in den USA z.B. bearbeitet seine 15.000 Völker so automatisiert und effizient, dass einem mitteleuropäischen Hobby-Imker Hören und Sehen vergeht. Miller findet es zwar „tragisch“, dass die Pestizid-Duschen in den Mandelfeldern, die tausenden Meilen Transport, die Varroa und die Nosema seine Völker zu 30 % dezimieren. Aber er bleibt dabei fröhlich: „Na ja, wir müssen weiter machen, wir sind Kapitalisten. Wir wollen doch Wachstum!“ Dann sind da die in Imkerkreisen sattsam bekannten Wanderarbeiter in China, die Pollen mit der Hand, Blüte für Blüte, auf die Obstbäume tupfen, weil in ganzen Landstrichen durch den Pestizid-Einsatz die Bienen verschwunden sind.

Wieder in den USA beschäftigt sich „Killerbienen-Imker“ Fred Terry mit den aus Brasilien ausgebüxten afrikanisierten Bienen. Er glaubt, dass ihre Widerstandsfähigkeit noch überlebenswichtig sein könnte, für die Bienen auf der Welt. Und wir lernen die Tochter und den Schwiegersohn von Regisseur Markus Imhoof kennen. Sie entwickeln auf einer Insel vor der australischen Küste eine Art Api – Arche Noah. Sie kreuzen Wildbienen- und „Haustier“-Königinnen, um vielleicht die überlebensfähige Bienenrasse der Zukunft zu finden.

Atemberaubend in „More than Honey“ – selbst für die, die schon jede Bienen-Doku gesehen haben, sind die Szenen aus dem Bienen-Leben. Die Filmemacher haben dafür eigens ein „Bienenstudio“ eingerichtet. 15 Völker wurden umgesiedelt in die Nähe eines Filmstudios. Mit endoskopischen Kameras, mit Mini-Helikoptern und viel Geduld entstanden zauberhafte Bilder in höchster Auflösung: die Geburt einer Königin, der verzweifelte Versuch einer Biene, eine Varroa-Milbe abzustreifen oder: die Begattung einer Königin im Flug! Allein diese Szenen sind den Kinobesuch wert. Dazu natürlich die verschiedenen Herangehensweisen und Überlegungen der Hauptpersonen, wie sie jeweils dem „mysteriösen Bienensterben“ gegenüber treten. Genug Diskussionsstoff – immer wieder – für jeden Immenfreund.

Fred Jaggis Bienen übrigen scheinen nicht der Weg in die Zukunft zu sein: sie sind wegen der zu starken Inzucht anfällig für Krankheiten, die „Sauerbrut“ z.B. (europäische Faulbrut). Es ist eine der traurigsten und stärksten Szenen, als der knorrige Mann eine Grube aushebt, um ein ganzes Volk inklusive Zargen und Rähmchen zu verbrennen – vor der idyllischsten Bergkulisse, die man sich nur vorstellen kann.

„More than Honey“ läuft ab 8. November 2012 in ausgewählten Kinos. Eine Liste wird – irgendwann-  hier veröffentlicht: http://www.morethanhoney.senator.de/

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Audio PR mit Sinn und Verstand

„Was macht Arbeit, wenn sie  Spaß macht UND anderen Menschen hilft? Sinn!“

Reisbauer in Bangladesh (Foto: Brot für die Welt)

An dieses (abgewandelte) Motto einer Ethik-Bank denke ich jedes mal, wenn ich am Podcast für die Hilfsorganisation Brot für die Welt arbeite. Weil hier von der Vorbereitung über die Produktion bis zur Einbindung/Verbreitung des Podcasts vieles vorbildlich läuft. Deswegen wollte ich das schon lange als „Best Case“ zum Thema Audio PR ein bisschen erläutern:

Wie andere Hilfsorganisationen auch schickt Brot für die Welt regelmäßig Mitarbeiter in die Länder, in denen die Partnerorganisationen an den entsprechenden Projekten arbeiten. Diese Mitarbeiter führen vor Ort Interviews mit den Menschen, die dort leben und arbeiten. Oder umgekehrt: die Mitarbeiter der  Brot für die Welt-Partnerorganisationen kommen nach Deutschland – und werden hier zu ihrer Arbeit, zur Situation vor Ort befragt. (Übrigens, selbst wenn das nicht so wäre, man käme auch auf telefonischem/Skype-Weg an O-Töne.)

Brandrodung in Chaco/Argentinien (Florian Kopp/Brot für die Welt)

Anschließend kommen wir ins Spiel: aus dem Material (Audio und Hintergrundinfos) überlegen wir uns die Geschichte, die es zu erzählen gilt. Was will der Spender, der Interessierte über die Arbeit vor Ort wissen? Was vor allem wissen wir hier in den reichen Ländern NICHT? Dass Indonesien z.B. tonnenweise Reis IMPORTIEREN muss, weil auf den Feldern immer  mehr Ölpalmen für Süßwaren, Margarine oder Kosmetika wachsen. Oder dass der Klimawandel – in einer langen Folge von Ursachen und Wirkungen – dazu führt, dass die Witwen von Tiger-Opfern in Bangladesh ein erbärmliches Leben führen müssen.

Dabei ist – um wieder zum „Best Case“ zu kommen – die Hintergrundarbeit von Brot für die Welt und seiner Partnerorganisationen beeindruckend und jeden Spendencent wert. Es werden langfristige Studien erstellt, komplexe Zusammenhänge studiert und erklärt und die Hilfe ist nachhaltig angelegt. Für uns heißt das: für jede fachliche Frage gibt es schnell und kompetent Antwort.

All das mündet in einen informativen wie unterhaltsamen Audio-Beitrag, der auf allen Kanälen prominent beworben und verbreitet wird, von der website über Newsletter, Twitter und Facebook – oder er wird als zusätzliche Verwertung als O-Ton-Paket an die Presse, vor allem die Radiostationen übermittelt.

Das übrigens halte ich für einen völlig unterschätzen Seitenaspekt von Audio-Beiträgen/Podcasts: Ich weiß nach vielen Jahren beim Radio, wie praktisch es ist, wenn die O-Töne „von selbst“ in die Redaktion kommen, zu einem Thema, das gerade aktuell ist. Natürlich kann ich als Pressesprecher einer Hilfsorganisation, einer NGO, eines Verbandes oder Vereins warten und mich anrufen lassen, wenn was los ist. Aber ist es nicht cleverer, proaktiv zu werden? Dann macht die Pressestelle einen guten Eindruck und hat beides: ihre O-Töne werden verwendet UND sie wird beim nächsten passenden Ereignis angerufen…

Aus dem guten Zusammenspiel jedenfalls zwischen Brot für die Welt (danke an Niko Wald für die exzellente Zusammenarbeit) und unseren KollegInnen und Kollegen (danke an die Texter/Sprecher Sabine Rieker und Martin Schlabs) sind inzwischen 19 Podcast-Episoden entstanden:

www.brot-fuer-die-welt.de/podcast

Wenn es nach uns geht, dürfen es gerne 190 Episoden werden…

Doris Hammerschmidt/Frank Busch

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Unsummen für’s Mitsummen

Man hat uns Kinder ja bei unzähligen existenziellen Vorkommnissen vergackeiert, Osterhase, Christkind, you name it! Als Imkerin möchte ich jetzt meinem erzieherischen Auftrag nachkommen und einen bedenklichen Fall von Kinderlied-Fail bekannt geben.

Wenn Hoffmann von Fallersleben singen lässt „Summ, Summ, Summ, Bienchen summ herum!“, dann ist der Aufforderungscharakter hier völlig sinnlos. Bienen hören nichts. Sie fühlen Schallwellen – und selbst geringe Erschütterungen. Aber hören? Null. Das hat für sie den Vorteil, dass der Kelch manch gruseliger musikalischer Erschütterung an ihnen vorbei brandet. Womit wir bei einer bienenfleißigen Arbeit unseres Kollegen Alex Wunschel wären. Seit Jahren garniert er seinen „Blick über den Tellerrand“-Podcast mit Beispielen von Unternehmens-Songs, corporate anthems, gelungenen wie abseitigen Zeugnissen für die Liebe der Menschen… zu ihrem Arbeitgeber, nicht immer zur Musik.

Nach Jahren ist diese beeindruckende Liste entstanden, einige Links sind schon verhallt, aber es ist noch viel da, um sich erschüttern oder auch begeistern zu lassen:

http://www.pimpyourbrain.de/firmenhymnen-und-unternehmens-songs-corporate-anthems/

Anspieltipp (Höhepunkt – ohne Ernst) – „The Busuu Song“

Anspieltipp (Höhepunkt – mit Ernst) – die Brot für die Welt-Hymne „Es ist genug für alle da“ (in der Mediathek auf „Audio“ gehen, ganz unten rechts)

Anspieltipp (Tiefpunkt) – der schon legendäre BMW-Praktikums-Rap

Viel Spaß
Doris Hammerschmidt
tonjuwelen

 

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Was hat Imkern mit SEO zu tun?

Was hat Imkern mit SEO zu tun?

Noch nichts, aber ich habe gerade SQO erfunden: Search Queen Optimization.

Es ist nämlich so, dass wir seit Wochen versuchen, in einem unserer Bienen-Schwärme die Königin zu finden. Das ist eine „Feld- Wald- und Wiesenkönigin“, die kein buntes Plättchen auf dem Rücken hat. So ein Plättchen haben die Königinnen üblicherweise, jedenfalls die Zuchtköniginnen, damit man sie besser findet. Wir wollen unserer Hoheit also ein Plättchen verpassen, damit wir sie in Zukunft besser finden. Aber wir finden Sie einfach nicht, um… Sie bemerken das leicht Kafkaeske der Situation?

SQO wäre in meiner Vorstellung also eine App für Smartphone oder Tablet, mit der man beim Durchschauen der Waben die Kamera auf selbige hält. Die App scannt sich durch die Bienen und bedeutet mir durch ein zart gesummtes „Heureka!“, dass sie die Königin gefunden hat. Was für eine Erleichterung! Ach so, ja: eine Bienenkönigin ist etwa doppelt so lang wie eine normale Biene und, ja: ich trage eine Brille, und… nein. Wir finden sie einfach nicht. Heute Abend geht es wieder ran. Wenn bis dahin bitte jemand die SQO-App erfinden könnte…

Doris Hammerschmidt
tonjuwelen

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